Geschichtsträchtiger Schaffhauser Wanderweg

im Rebberg bei Eglisau<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-sh.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>3720</div><div class='bid' style='display:none;'>33186</div><div class='usr' style='display:none;'>330</div>

Eine international zusammengesetzte Wandergruppe folgte am vergangenen Wochenende den Spuren der reformierten Glaubensflüchtlinge, die vor 330 Jahren das absolutistisch regierte Frankreich und Piemont verlassen mussten. In der Reformationsstadt Schaffhausen löste ihr Schicksal eine beeindruckende Welle der Solidarität aus.
Doris Brodbeck,
Der europäische Kulturfernwanderweg «Auf den Spuren der Hugenotten und Waldenser» soll um das Teilstück durch den Kanton Schaffhausen erweitert werden. Unter Leitung von Doris Brodbeck und Regula Küpfer von der entsprechenden Schaffhauser Arbeitsgruppe wurde der auch landschaftlich eindrückliche Wanderweg dem Rhein entlang über Buchberg nach Rüdlingen und am kommenden Tag weiter bis zum Rheinfall abgeschritten. Unterwegs informierten sie über die damaligen Flüchtlingsrouten, Verpflegung und Verarztung der Flüchtlinge, aber auch über die grosszügigen Spendensammlungen und die Unterbringung in der Stadt und den Landgemeinden. Im Begegnungszentrum Rüdlingen erwartete sie ein schmackhaftes Abendessen und zwei Referate von Regine Lagarde, Pfarrerin der Eglise française in Schaffhausen, und Lorenzo Scornaienchi, Pfarrer der Chiesa evangelica in Schaffhausen und Zürich. Sie führten in die historischen Umstände ein, die zu der Flüchtlingswelle führten, die innert zehn Jahren 28'800 Flüchtlinge nach Schaffhausen brachte.

Von Eglisau nach Buchberg-Rüdlingen

Die Exkursion begann jenseits der Kantonsgrenze in Eglisau, wo die Kirchgemeindepräsidentin Birgitta Jakob die zwanzigköpfige Gruppe in der Reformierten Kirche empfang. Über die damalige Rheinbrücke in Eglisau führte man 1686 die Fuhrwerke mit den Frauen, Kindern und Gepäck nach Schaffhausen. Die Männer hatten zu Fuss zu gehen und wurden über die andere Rheinbrücke in Kaiserstuhl geführt. Barbara Erdmann, Pfarrerin der reformierten Kirchgemeinde Buchberg-Rüdlingen, begleitete die zweitägig Tour persönlich und zeigte sich beeindruckt von der Liste der damaligen Mitglieder ihrer Kirchgemeinde, die mit kleinen und grossen Spenden 1687 und 1688 in einer «Liebessteuer» der Not der Glaubensgeschwister gedachten.

Albert Anker gedenkt Flüchtlingen

Am Sonntag wurde die Exkursion in einer kleineren Gruppe fortgeführt, die von Rüdlingen über Rheinau und Altenburg schliesslich am Nachmittag den Rheinfall erreichte. Die Künstlerin und Kunstpädagogin aus Sri Lanka, Yulanie Perumbadage, schlug eine Brücke zu heutigen Flüchtlingsschicksalen und leitete eine Zeichenübung an. Im Bild des Schweizer Künstlers Albert Anker «Protestantische Flüchtlinge» sah die Künstlerin ihre eigene Situation gespiegelt, wie sie selbst mit ihrer Tochter ihr Land verlassen und lernen musste, mit dem Winter in der Schweiz zurecht zu kommen. Der Künstler hatte zweihundert Jahre später in Erinnerung an das Eintreffen der ersten Glaubensflüchtlinge 1886 eine Personengruppe im tief verschneiten Wald gemalt.

Weitere Exkursionen

Ein Fernsehteam des Tessiner Fernsehens unter Leitung von Paolo Tognina begleitete die Exkursion. Die Ausstrahlung des Beitrags in der Reihe «Segni dei tempi» ist auf 24. September um 12 Uhr geplant. Ebenfalls am Samstag 24. September wird eine weitere Exkursion angeboten. Der Schaffhauser Romanist René Specht lädt zur Besichtigung des sogenannten «Hugenottenmedaillons» in Schaffhausen ein. Es schliesst daran eine Wanderung auf der Route von Herblingen nach Thayngen an, über die die Flüchtlinge an ihre zukünftigen Siedlungsorte in den evangelischen Gebieten in Württemberg, Hessen, Berlin oder Holland weiterzogen, um bloss einige der damaligen Ziele zu nennen, an denen noch heute Nachkommen der Hugenotten und Waldenser leben.

Doris Brodbeck, Beauftragte für Kommunikation und Entwicklungszusammenarbeit der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Schaffhausen

» Fotos in Originalgrösse
» Anmeldung zur Newsgruppe zum Hugenotten- und Waldenserweg in Schaffhausen

» TV-Beitrag im Tessiner Fernsehen (ab Minute 13:10)
» Historische Informationen

» Bericht vom 24.9.2016
Reformationsjubiläum - Evang.-ref. Kirche des Kantons Schaffhausen - Bereitgestellt: 12.09.2016     
aktualisiert mit kirchenweb.ch